500 Jahre Übersetzung des Neuen Testaments ist Anlass für das touristische Themenjahr 2022 in Thüringen


Es war ein universelles Ereignis für die Welt: 1521 fand der geächtete Reformator Martin Luther Zuflucht hinter den Burgmauern der Wartburg in Eisenach und begann mit der Übertragung des Neuen Testaments aus der griechischen Urfassung ins Deutsche. In nur vier Monaten hat er damit Weltgeschichte geschrieben. 2022 feiert Thüringen das 500jährige Jubiläum der Übersetzung des Neuen Testaments unter dem Motto: „Welt übersetzen. Sprache lesen, hören, sehen in Thüringen“.

Ausführliche Informationen finden Sie hier

 

Am Thüringer Themenjahr 2022 beteiligt sich die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha mit Ausstellungen und Veranstaltungen sowie literarischen Interventionen im öffentlichen und musealen Raum.

 

Herzogliches Museum

Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meisterwerke

bis 21. August 2022

mehr zur Ausstellung: hier

 

Bahnhof Gotha

Gotha hört Alexander Kluge

Hörbuch-Installation am Gothaer Bahnhof zum 90. Geburtstag des Autors

in Kooperation mit der Stadt Gotha

14. – 20. Februar 2022, 6 – 20 Uhr

 

 
Abb.: Blick nach Osten (Polaroidfoto: Christoph Mauny)
 

Bahnhofsliteratur einmal anders: Eine literarische Sound-Installation am Gothaer Bahnhof zum 90. Geburtstag des bedeutenden Schriftstellers, Filmemachers und Fernsehproduzenten Alexander Kluge. Der am 14. Februar 1932 in Halberstadt geborene, spätere Büchner-Preisträger wurde Ostern 1938 in Gotha eingeschult.

„Von dem starken Ast eines Baumes im Garten besteht guter Überblick über den Verladebahnhof. Es werden unterhalb der Gartenmauer gepanzerte Fahrzeuge über eiserne Verladeschienen auf Waggons verladen. Was ist „wirklich“ in diesen Tagen? Die Großbuchstaben der Zeitgeschichte (aus Anlaß der Österreichkrise werden Truppen verladen) oder die großzügige Ausmalung von Buchstaben zu Buchstabenkombinationen in der Reyherschule?“

2019 bespielte Kluge im Rahmen des Vermittlungsprojekts „WERKstatt Schlemmer“ einen Raum im Herzoglichen Museum Gotha zum Thema „Bauhaus, ‚Jugend‘, ABC & Utopie“. Als ein besonderes Ausstellungsobjekt erschien hierfür das kleine Büchlein „Lesen und schreiben lernen/‚Buchstaben des Lebens‘“ als Liebhaberausgabe in 100 von Hand gebundenen Exemplaren. Die sich darin findenden prägenden Erinnerungen an die Gothaer Kindheitstage hat der Friedenstein-Preisträger von 2020 nun exklusiv eingesprochen. Die klugesche Methode des sogenannten Crossmappings, eine Art vertikale Collage, aufgreifend und in den Realraum übertragend, ertönt seine unverwechselbare Stimme eine Woche lang am Bahnhof von Gotha, nur einen Steinwurf entfernt vom Haus seiner Tante im Kunstmühlenweg. Das, was wir „Realität“ nennen, wird von Poesie, Geschichte und Möglichkeit durchdrungen.

 

Forschungsbibliothek Gotha

Bücher bewegen. 375 Jahre Forschungsbibliothek Gotha

10. April bis 19. Juni 2022, 10 – 17 Uhr

mehr zur Ausstellung der Forschungsbibliothek Gotha: hier

 

Schloss Friedenstein & Herzogliches Museum

Thüringer Schlössertage 2022 – Aufgeblättert! Von der Kanzlei zur Hofbibliothek

3. bis 6. Juni 2022, 10 bis 17 Uhr

zum Programm der Schatzkammer Thüringen: hier

 

Schloss Friedenstein

Voltaire-Voltaires

Hörbuch-Installation von Voltaires „Candide“ auf Schloss Friedenstein

3. bis 6. Juni 2022, 10 bis 17 Uhr (Thüringer Schlössertage)

 

 

Ende April 1753 macht es sich die Berühmtheit des 18. Jahrhunderts für einen Monat auf Schloss Friedenstein bequem: Voltaire in Gotha! Als der Dramaturg und Philosoph im Zuge des Zerwürfnisses mit Friedrich dem Großen aus Preußen flieht, reist er über Leipzig nach Gotha zu seiner engen Verbündeten Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg.

Als eines seiner prägendsten Werke ist „Candide ou l’optimisme“ („Candide oder die beste aller Welten“) in die Literaturgeschichte eingegangen. In der Satire setzt sich Voltaire auf ironische Weise mit dem Theodizee-Problem auseinander: Wie lässt sich angesichts des Übels in der Welt Existenz, Allmacht und Güte Gottes rechtfertigen? Im Gegensatz zum Autor hielt die aufgeklärte Gothaer Absolutistin am gottesfürchtigen Prinzip des „Alles ist gut“ fest.

Voltaire ließ es sich deshalb nicht nehmen, die Ereignisse des Siebenjährigen Kriegs, die auch vor Gotha nicht haltmachten, süffisant als Einbruch der Realität in jenem „besten aller möglichen Wohnsitze“ zu bezeichnen. Die bis zur Karikatur stilisierte Figur des naiven Lehrers Pangloss in seinem „Candide“ hat Voltaire mit Wesenszügen der Gothaer Herzogin gezeichnet. Zu den diesjährigen Thüringer Schlössertagen laden daher auf Schloss Friedenstein Voltaire-Sessel zum Lauschen und Verweilen ein.

 

Herzogliches Museum

Die Beredsamkeit des Objekts.

Literarische Objekttexte von Miku Sophie Kühmel

ab September 2022

 

 

Objekttexte sind jene oft zu klein beschriebenen Schilder, die dem Museumsgast Auskunft zum Werk in unmittelbarer Nähe geben. Künstler, Titel, Datum. Nicht selten gibt es noch Informationen zu Material und Technik, zuweilen erfährt man in komprimierter Kurzprosa etwas über die Objektgeschichte oder die kulturelle und kunstwissenschaftliche Bedeutung. Dies geschieht mal in dichtem Fachduktus, mal in populärwissenschaftlicher Sprache. Verstärkt öffnen Übersetzungen in Leichter und Einfacher Sprache das Bildungserlebnis einem breiteren Publikum.

Mit Miku Sophie Kühmel wollen wir ein museales wie literarisches Experiment wagen: Was geschieht, wenn ein Objekttext nicht wissenschaftlich erklärt, sondern mit den Mitteln der Literatur kommentiert, assoziiert, spielt? Die junge und aufstrebende Autorin hat sich in das Herzogliche Museum Gotha begeben und eine Reihe von sieben Lieblingsobjekten ausgesucht, zu denen sie Kurztexte verfasst hat. Dabei hat sie sich einer besonderen Herausforderung gestellt, deren Teile sich zu widersprechen scheinen: die Verbindung von Literatur und Einfacher Sprache – mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen. Maximale Zeichenzahl, typisch Objekttext: 600, inklusive Leerzeichen.

Mit ihrem Debütroman „Kintsugi“ gelang der in Gotha geborenen Schriftstellerin Miku Sophie Kühmel vor wenigen Jahren der Durchbruch: Neben dem „aspekte“-Literarturpreis wurde sie mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet und landete auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019. Es folgten das Kurd-Laßwitz-Stipendium ihrer Geburtsstadt sowie das Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste.